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NNP 01.03.2010

Dieser Sturm kam plötzlich

Baum versperrt Fahrbahn zwischen Balduinstein und Geilnau

Sturmböen waren zwar für Sonntag angekündigt worden. Doch die Heftigkeit des Winds und seine Auswirkungen dürfte viele Menschen überrascht haben. Nach 12.30 Uhr klingelte es ständig bei Polizei und Feuerwehr, die bis zum Abend im Dauereinsatz waren. Allein die Leitstelle der Feuerwehr in Limburg registrierte mehr als 400 Anrufe.
Limburg-Weilburg/Diez/Westerwald. Bäumen stürzten um und blockierten Straßen, Dächer und Autos wurden zum Teil stark beschädigt, in manchen Kommunen fiel sogar der Strom aus, so gab es zum Beispiel in Langhecke und Hahnstätten zeitweise keinen Strom. Gestern Nachmittag waren alle Feuerwehren und Polizeikräfte im Landkreis Limburg-Weilburg im Einsatz, kaum eine Gemeinde oder Stadt war nicht betroffen vom Sturmtief «Xynthia». Vor allem Limburg und Hadamar hat das Sturmtief getroffen.
Kreisbrandmeister Thomas Schmidt berichtete gestern Abend gegenüber der NNP allein von 268 Einsätzen der Feuerwehren im Landkreis Limburg-Weilburg bis 19.15 Uhr. Bis Mitternacht rechnete er mit weiteren Einsätzen für die Feuerwehren.
Allein in Limburg mussten die freiwilligen Feuerwehren bis gestern Abend 44 Mal ausrücken, gefolgt von Hadamar (38 Einsätze), Dornburg (27), Weilburg (24). Die Wehrleute mussten sich überwiegend um umgestürzte Bäume, aber auch Sturmschäden an Dächern kümmern. In Dornburg waren vor allem umgestürzte Bauzäune ein Problem, in Weilburg gab es sehr viele Einsätze wegen Bäumen, die auf Häuser gestürzt waren.

Stromausfälle verzeichneten die Feuerwehren in Hadamar, Runkel, Villmar und Weilmünster. Relativ glimpflich scheinen die Gemeinden Elz (ein Einsatz), Merenberg (drei), Waldbrunn und Selters (jeweils fünf) davongekommen zu sein, wie aus der Statistik aller Feuerwehreinsätze des Landkreises Limburg-Weilburg hervorgeht.
Wegen umgestürzter Bäume mussten viele Bundes-, Landes- und Kreisstraßen gesperrt werden. So war zum Beispiel gestern Abend noch die Kreisstraße zwischen Elz und Niedererbach komplett gesperrt. Zusätzlich wurden von 14 Uhr an die Bahnstrecken von Elz nach Montabaur sowie von Limburg nach Westerburg voll gesperrt. Die Vollsperrungen der Straßen und Bahnlinien werden nach Angaben der Polizei teilweise noch bis zum heutigen Montag bestehen bleiben.
Die ersten Notrufe über umgestürzte Bäume gingen bei der Polizei Limburg gestern um 12.25 Uhr ein. Die Mitarbeiter der Straßenmeistereien Brechen und Weilburg waren ebenso wie die Feuerwehren, das THW und die Polizei stundenlang pausenlos im Einsatz, um umgestürzte Bäume von Straßen zu entfernen, Baugerüste, Zäune und andere umherfliegende Gegenstände zu beseitigen oder gegen Umstürzen zu sichern.
Aufgrund des starken Winds wurden die Dächer von drei Mietshäusern in der Friedrich-Ebert-Straße in Limburg weggeweht. Die abgerissenen Teile der Dächer landeten vor den Häusern, teilweise auf der Wiese, teilweise auf den Parkflächen und den dort abgestellten Autos. Zum Glück wurde kein Mensch verletzt. Trotz der Schäden können die Menschen in den betroffenen Häusern wohnen bleiben. Bis gestern Abend registrierte die Polizei allein hier zehn beschädigte Fahrzeuge. Weitere Schäden an Nachbarhäusern und weiteren Autos können allerdings nicht ausgeschlossen werden. Geschätzter Gesamtschaden (Dächer und Autos) im Bereich dieser drei Häuser bisher: 80 000 Euro.

Nur ein Beispiel für die zahlreichen Einsätze: Der gute Wille der Eschenauer Feuerwehr war vorhanden, aber das Risiko war einfach zu groß. Wehrführer Markus Laux war die Sicherheit der eigenen Leute wichtiger als eine geräumte Straße. Ausgerückt waren die Einsatzkräfte, da der Sturm Bäume auf die Straße zwischen Eschenau und Hofen geworfen hatte. Ein Traktor wurde noch geholt, doch das Risiko war einfach zu groß. Jeder neue Windstoß ließ die stehengebliebenen Nadelbäume in dem Hang oberhalb der Straße tief neigen, ständig krachte es. Und während des Einsatzes fielen auch noch mehrere Bäume um, unter anderem auf das Wartungshäuschen des Abwasserverbands. Es blieb nichts anderes übrig, als die Straße zu sperren und auf das Abflauen des Sturms zu warten.
Am späten Nachmittag konnten Polizei und Feuerwehr in Diez eine erleichternde Zwischenbilanz ziehen: Der Sachschaden blieb überschaubar. Lediglich am Hain und in der Oraniensteiner Straße hatten umstürzende Bäume an Haus- und Garagendächern etwas mehr Schaden verursacht. An der Oberneisener Straße in Hahnstätten wurde ein Dach abgedeckt, das eine Stromleitung beschädigte und für Stromausfall sorgte.
Von 90 Notrufen allein in der Zeit zwischen 13 und 17 Uhr berichteten die Ordnungshüter auf der Diezer Wache, zu diesem Zeitpunkt schätzte Wehrleiter Marcus Grün die Zahl der Einsätze auf 20 bis 30. In der Hauptsache mussten die Einsatzkräfte – darunter auch die Straßenmeistereien – die Fahrbahnen von umgestürzten Bäumen befreien. Zwischen Balduinstein und Geilnau hatten die eintreffenden Feuerwehrmänner die Straße noch nicht abgesperrt, da kippte kurz hinter dem Fahrzeug bereits ein weiterer Baum um. Durch Bäume wurden zwei Autos beschädigt; Menschen kamen nicht zu Schaden.

Sturmschäden auch im westlichen Teil des Rhein-Lahn-Kreises. Ein Beispiel: Bis 17.15 Uhr hatten Polizei und Rettungsdienste schon mehr als 50 Einsätze, meldete Oberbürgermeister Peter Labonte. In weiten Bereichen waren Stromausfälle zu verzeichnen.
Die Feuerwehren im Westerwaldkreis waren ebenfalls im Dauereinsatz. In waldreichen Gebieten stürzten immer wieder Bäume auf die Straßen und mussten von Wehrleuten beseitigt werden. Die Nentershäuser Wehr musste mit ihren 54 Aktiven mehrmals ausrücken, um umgestürzte Bäume zwischen Görgeshausen und Staffel sowie im Gelbachtal von den Straßen zu entfernen. Die Anzahl aller Einsätze im Westerwald stand bis Redaktionsschluss noch nicht fest.